aus der Neuen Westfälischen vom 22.04.2002:
Ein Seemann hat nur eine Braut: das Meer
Theaterwerkstatt
Bethel mit einer Uraufführung
VON
HEIDE SCHMIDT
Bielefeld.
Diese Stadt hat nur eine Clownin: Elaisa Schulz! Es war ihr
erstes einstündiges Solo, und eine äußerst gelungene doppelte
Premiere, ihre eigene "Zwischen Sauerkraut und Milchreis"
und die der Geschichte von "Louisas Reise ins Glück".
Es handelt sich
um eine verlassene Frau und ihrer Suche nach dem Glück.
Ein viel strapaziertes Thema, hier fantasievoll und innovativ
ausgespielt in einer Mischung von clownesker Trauer und Komik.
Louisas Seemann Paul ist weit weg, sie hat ihr Baby Gutschi,
mit dem sie reden kann, dem sie Geschichten erzählt vom
Teddybär, der schwören lernt, und von Brunhild im
Hühnerstall und ihrer Oma. Sie schlüpft in die Gesichter
der Personen, ist Clownin und Närrin zugleich.
Frappierend sind
die schnellen Wechsel in Mimik und Gestik und Stimmlage, immer
im engen Blickkontakt zum Publikum und nie klamaukig oder
überzogen. Ob Schippchen machend am Kinderwagen oder
durch den Hühnerstall laufend, das Publikum hatte viel
Spaß, gackerte mit und lachte. Es gab immer wieder spontanen
Beifall ob der gelungenen Performance.
Die Fülle
von widersprüchlichen Gefühlen wurde mit einer sehr
genauen und sparsamen Körpersprache und umwerfenden Mimik
transportiert. Die Auswahl der Musik ist stimmig, sei es mit
"Junge, komm bald wieder" von Freddy, "Der
Tod und das Mädchen" von Schubert oder "Ich
will alles" von Gitte.
Elaisa Schulz
ist differenziert, subtil, voller Spannkraft und Leichtigkeit,
im Umgang mit den dargestellten Gefühlen ist sie offen,
spielerisch und komisch, eben eine richtige Clownin. Die Ideen
zu den Szenen sind von ihr entwickelt, die Abfolge ist nicht
festgelegt, sie entwickelt sich aus dem Dialog mit dem Publikum.
Susanne Carl, Nürnberg, rührte behutsam folgend
und lenkend Regie.
Lebensweise war
es auch: "Man darf das Schiff nicht an einen Anker und
das Leben nicht an eine Hoffnung binden"; aber, welch
ein Glück, Freude und Spaß eines sehr gelungenen
Abends an eine Clownin.
Das zahlreiche
Publikum dankte mit Blumen und lang anhaltendem Beifall.
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Glück"
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