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aus dem Insel-Boten (Zeitung für Wyk auf Föhr) vom 14.06.2003:

Begeisterungs-Wellen bei maritimer Clownerie

von Urs Blohm

Künstlerin Elaisa Schulz sorgte mit ihrem selbstentwickelten Soloprogramm "Louisas Reise in das Glück" für einen vergnüglichen Abend im Kurgartensaal.

Künstlerin Elaisa Schulz sorgte mit ihrem selbstentwickelten Soloprogramm "Louisas Reise in das Glück" für einen vergnüglichen Abend im Kurgartensaal.

Das vorwiegend ältere Publikum füllt einen guten Teil der Sitzplätze des Kurgartensaals und hat den Blick Richtung Bühne gewandt. Entgegen den Erwartungen betritt Louisa den Saal von hinten, bekleidet mit auffällig gemustertem Kleid, schweren Stiefeln und gehäkeltem Haarkranz. Unter lautstarkem Geplapper schiebt sie ihr Baby Gutschi im Kinderwagen durch den Mittelgang. Die Stufen zur Bühne hinauf bereiten ihr kurzfristig Schwierigkeiten. So spannt sie einen Herren aus dem Publikum mit ein, den Wagen mit Kind doch bitte recht vorsichtig hoch zu hieven. "Vorsicht, Gutschi hat grad gegessen!"

Es entscheidet sich meist in den Anfangsminuten, ob man ein Publikum als Künstler elektrisieren - und zum Verbündeten machen kann. Elaisa Schulz hatte Es in Wyk bereits geschafft. Gekonnt und variantenreich bezog sie ihr Publikum während der gut 70minütigen Darbietung stets ins närrische Treiben mit ein. Einige hielt es vor Lachen kaum in sitzender Position. Entgegen der heute weitverbreiteten bissigen Comedy auf Kosten anderer stellt sich Louisa jedoch grundsätzlich nur selbst ins Zentrum ihres liebenswert wohlgesonnenen Humors.

Die Bielefelderin bot ein eindrucksvolles Bouquet an Mimik und clownesken Elementen auf, wurde in Geschichten für ihr Kind zum leibhaftigen Huhn, vollbrachte Kunststücke auf ihrer Schaukel, balancierend zwischen Knirpsin mit Fistelstimme und bärbeißiger Greisin mit schaurigen Zähnen.

Kind Gutschi scheint das einzige Relikt, das Louisa von ihrem Seemann Paul seit dessen Weggang geblieben ist. Voller Schwermut und Leidenschaft gedenkt sie seiner. Fast alle Requisiten, spartanisch eingesetzt, doch kraftvoll in ihrer Aussage, assoziieren Meer und somit Paul. Akustische Untermalung etwa durch Quinns "Junge, komm bald wieder" oder wehmütiges Wellenrauschen aus dem Zuschauermund zeichnen ein Bild der Einsamkeit. Kurzfristig nur wird sie unterbrochen von Momenten der Bewunderung für sein freiheitliches Leben. Kurz doch effektvoll schlägt diese um, indem sie ihn allegorisch "ersticht" und "durch den Fleischwolf dreht", bis einen Augenaufschlag später ihr Herz wieder ganz an seiner Seite ist. Furios endet das Schauspiel. Erst zum Schluss erfährt man: Kind Gutschi ist von einem anderen. Und so leidvoll ist Louisas Dasein gar nicht mehr. Sie versteht viel mehr von Leben, als man bisher glaubte. Beschwingt durch ihre tatsächliche Selbstständigkeit lässt sie den Betrachter schließlich mit der Frage zurück, wie ihr schwungvolles Treiben nun nur weitergehen wird. Und verschwindet hinter dem Vorhang.

Das Wyker Publikum, das dem ganzen Beitrag fasziniert gefolgt war, bedachte die Leistung mit Applaus und vielen lobenden Kommentaren. Denn gelangweilt hat sich keiner.

"Louisas Reise ins Glück", Untertitel "Zwischen Sauerkraut und Milchreis", wurde von Elaisa Schulz vollständig aus der Improvisation entwickelt. Zu sehen ist sie auf Deutschlands Kleinkunstbühnen oder auch beim Straßentheater, häufig gar im Dreierpack. Mitwirkende im "Trio Kek" sind dann außer ihr noch Karl-Heinz Dittmann sowie Karin Weber, die im Kurgartensaal für die fein akzentuierte Einspielung der Musik sorgte.
 

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© Elaisa Schulz, Bielefeld, 11.10.2005, Impressum